Hermann Kanzler – Ein Weingartner als Oberbefehlshaber der päpstlichen Truppen

Hermann Kanzler hatte als Oberkommandierender des päpstlichen Heeres die Leitung über den entscheidenden Sieg über Garibaldis Truppen. 1870 gab er auf päpstlichen Befehl den Kampf Roms auf und beendete damit die über tausend Jahre währende Ära des Kirchenstaats.
Kanzler war am 28. März 1822 im badischen Weingarten zur Welt gekommen, dann in Bruchsal als Sohn eines Steuereinnemers aufgewachsen. Als junger Mann hatte er bei den Dragonern in Karlsruhe gedient. Als junger Korporal stand er dort im Dienst eines Rittmeister, der die antikirchliche Haltung des badischen Großherzogtums nicht weiter akzeptieren wollte und statt dessen in die päpstliche Armee überwechselte.
Kanzler folgte ihm und trat 1845 in den Dienst des Vatikans. 1859 ernannte man ihn zum Obersten des Ersten Regiments, 1860 beförderte Oberbefehlshaber von Lamoricière ihn zum General, da er den Durchbruch gegen die Piemontesische Armee von Pesaro nach Ancona siegreich geführt hatte. Fünf Jahre später war er bereits Prominister der Waffen und Oberkommandierender des päpstlichen Heeres.
Während dieser Jahre begannen revolutionäre Kräfte in Italien zu erstarken und sich mit den Königshäusern des sich gerade vereinigenden Italiens gegen den Vatikanstaat zu wenden, der Papst hatte bereits einen Großteil seines Territoriums verloren. Kanzler hatte an diesen Kämpfen als General teilgenommen, als Oberbefehlshaber führte er nun, am 3. November 1868, die Schlacht bei Mentana.
Der savoyische König, zukünftiger König von Italien, hatte den unabhängigen Vatikanstaat aufgrund internationaler Konventionen nicht angreifen oder einnehmen können, sondern nur destabilisieren, indem er die rebellischen Freischärlertruppen Garibaldis stärkte. Er sah vor, den Vatikan militärisch zu schwächen, Italien auf den Plan zu rufen, das bei einem Plebiszit dem Willen des Volkes nach geben und die Territorien des Vatikans in die italienische Nation eingliedern würde.
Ende September hatte der Angriff der Rebellen begonnen, zunächst drangen sie in unstrukturierten Vormärschen ein und waren leicht abzuwehren. Doch ihre Zahl war schließlich auf 12000 bis 15000 Mann angewachsen, sie nahmen den strategisch wichtigen Punkt Monterotondo ein, die Situation war kritisch geworden. Am 3. November führte General Hermann Kanzler ein zweitausend Mann starkes französisches Expeditionskorps, das Napoleons III. geschickt hatte, gegen Garibaldi in die Schlacht. In der Mittagsstunde begegneten sich die Fronten, Kanzler standen auf der anderen Seite siebentausend Freischärler gegenüber. In einer dramatischen Schlacht errang Hermann Kanzler mit seiner Armee den Sieg über die dreitausend Mann stärkere Freischärlertruppe. Doch auch wenn Garibaldi eine bedeutende Niederlage zugefügt worden war, so blieb es nicht bei diesem historischen Sieg.
Im September 1870 unternahm die päpstliche Armee unter Kanzlers Führung die letzte Verteidigung des Vatikans. Eine Scheinverteidigung. Papst Pius IX., der anders als Kanzler lange nicht geglaubt hatte, dass Italien angreifen würde, wahrte durch dieses Manöver seine unveräußerlichen Rechte als Staatsoberhaupt Roms. Kanzler hatte seine Truppen nach Rom zurück gebracht um de Stadt zu verteidigen. Garibaldi nahte. Doch Blut wurde kaum vergossen, da Kanzlers Armee nur symbolischen Widerstand leistete und beim ersten schwereren Ansturm gegen die Mauern Roms die Kampfhandlung einstellte. Kanzler gefiehl dieser Zug nicht, er war gegen seine Soldatenehre, doch verteidigte er den päpstlichen Befehl gegen die Wünsche seiner Generäle, eine Zuwiderhandlung wäre einem Sakrileg gleichgekommen.
Damit hatte Kanzler das Oberkommando über das Ende des mehr als tausend Jahre alten Vatikanstaates. Sein Amt als Prominister übte er bis zu seinem Lebensende aus, jedoch nur noch symbolisch, da der Vatikanstaat von Italien nicht offiziell anerkannt und ohne klaren Rechtsstatus war, das wurde erst 1929 nachgeholt.
Hermann Kanzler wurde vom Papst für seine Dienste geadelt und durfte sich Baron von Kanzler nennen. Am 6. Januar 1888 verstarb er in Rom.

http://www.zenit.org/article-13720?l=german
http://de.wikipedia.org/wiki/Hermann_Kanzler
Filed by Andi on Oktober 12th, 2009 under vor xx Jahren
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Oktober 13th, 2009 at 19:37
Cool. Das hab ich ja noch nie gehört. Warum haben wir sowas nicht bei Frau Hopenz gelernt in Geschichte?? Oder noch früher im “Heimat und Sachunterricht”? Das ist mindestens so interessant wie der Walzbach :D
Oktober 15th, 2009 at 10:20
Dem stimme ich absolut zu!